Tourtagebuch – 04.03.2009 Dessau (Hangar)
Mittwoch, 04.03.2009
Wunderschönes Dessau, Kulturmetropole im Herzen Sachsen-Anhalts. Herrliches Dessau, Heimatstadt von Dieter „Pippi“ Hallervorden und damit der Geburtsort des feingeistigen deutschen Humors. Dessau, mon amour, gelegen inmitten einer traumhaften Auenlandschaft. Dessau, immer eine Reise wert!
(Zahlung dankend erhalten, lieber Herr Bürgermeister)
20:00, Showtime
Erwartungsvolle Spannung liegt über dem Hangar, einer ehemaligen Papierfliegerfalterei. Da endlich lüftet sich der Vorhang und… Nix! Kein Tommy, kein Michi, niente, nada, null. Ja, wie?

Leere Bühne. Das Publikum ist trotzdem begeistert. Kein Wunder bei durchschnittlich 3,7 Promille Blut im Alkohol.
Schon nach 20 Minuten stürmischen Applauses und tosenden Lachanfällen merkt das Publikum, dass da keiner auf der Bühne steht. Wie konnte das passieren?
Die Erklärung ist kompliziert: Man spricht in Showkreisen vom „Zu-spät-von-Zu-Hause-losfahren“, ein Terminus technicus, den damals Mick Jagger geprägt hat, als er ein Jahr zu spät in Woodstock angekommen ist.
Zum Glück rettet Tourmanager Robert die Situation, indem er das Publikum gekonnt ablenkt: „Guckt mal, Leute, da oben fliegt ne tote Ente. Quak! Quak! Wuff! Wuff! Mähhh!“

Die wunderschön geschmückte Decke des Hangars: Sex, Drugs and Rock ´n’ Roll meets Kindergeburtstag. Oben links übrigens die tote Ente.
20:27, Showtime, zweiter Versuch
Yipiee! Es ist soweit. Der weltbeste Bühnenkomiker der Welt wird auf die Bühne gebeamt.

„Hallo Dessau, sorry für die Verspätung, aber dafür machen wir auch früher Schluss. Großes Ost-Indianerehrenwort!“

Die Bühnentechnikzentrale: Hier sitzen die Technikprofis und vergessen die Einspielfilme abzufahren, steuern die Mikrofone falsch aus und trinken den Künstlern das Bier weg.
Mit Volldampf bespaßt Comedy-Lokomotive Tommy Wosch das Publikum. Kongenial unterstützt ihn dabei Michi, der die Zuschauer mit einer Schwertschluckernummer (rektal!) nachhaltig traumatisiert. Doch der Höhepunkt des Abends kommt diesmal von anderen: unserem Bühnenpaar.

Yvonne und Kai. Er brütet in seiner schlecht beleuchteten Denkfunzel gerade das Highlight des Abends aus.
Zum ausführlichen Paarcheck gehört in jeder Show die Liebeserklärung, die sich die beiden Probanden gegenseitig machen müssen. Jedes mal ist das ein hochemotionales Highlight und bisher haben uns alle Kandidaten zu Tränen gerührt (vor Lachen).
Aber jetzt kommt Kai. Der todesmutige Teufelskerl geht plötzlich völlig unerwartet vor seiner angebeteten Yvonne auf die Knie. Er wird doch nicht etwa? Doch! Ein Heiratsantrag live auf der Bühne vor versammelten Haus. Ja, leck mich fett!

Schock! Tommy kann nur noch tatenlos zusehen, wie ihm Kai die schönste Frau des Abends vor der Nase wegheiratet.
Und hier der herzzerreißende Antrag als historisches Tondokument:
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Hä, wieso hört man da nix?
Weil Claus Fietz, diese hässlichste aller Ausgeburten der Hölle, dieser zittrige, laienhafte Tourfotograf, dieser grenzdebile Volldilettant, mal astrein vergessen hat, das Aufnahmegerät, mit dem sonst jeder Auftritt mitgeschnitten wird, anzuschalten. Ein Skandal!
In Ermangelung eines Audiomitschnitts nun das Gedächtnisprotokoll des Heiratsantrages:
Michis Version: „Der Mann hatte einen wunderschönen Hintern, knackig, saftig und… Was? Hochzeitsantrag? Ne, hat er mir nicht gemacht. Wieso?“

Tommy beim Abruf des Gedächtnisprotokolls. Zum Glück hat dieser herrlich gewachsene Beau ein fotografisches Gedächtnis.
Tommys Version: „Und dann ging der Kandidat plötzlich vor seiner Freundin auf die Knie und ich denk so, mein Gott, was ist denn das für eine rattenscharfe, billige Blondine in der ersten Reihe. Ich zwinker ihr so zu. Sie lächelt zurück. Wir also schnell hinter die Bühne. Fummel. Stöhn. Hechel. Das Publikum war ja abgelenkt von den beiden Kandidaten. Was der Kai zu seiner Freundin gesagt hat? Keine Ahnung. War das wichtig?“
Tja, vielleicht hat Tourmanager Robert besser aufgepasst: „Er so: Willst du mich heiraten? Sie so: Ja. Das Publikum so: Jubel. Und ich so: Wie lang geht das noch, ich müsst mal aufs Klo. “
Wie romantisch! Danke Robert! Selbst Shakespeare hätte das nicht in exquisiteren Worten beschreiben können.
22:19, die letzte Zugabe verhallt, alles vorbei
Danke Dessau, es war ein wundervoller Abend. Viel Glück Yvonne und Kai und macht Euch bitte schnell an die Fließbandproduktion von Fannachwuchs.

Nach der Show: Fans stürmen die Bühne: „Ey, Tommy, du bist ja privat genau so groß wie auf der Bühne.“

Nicht ahnend, was sich hinter seinem Rücken abspielt, signiert der freundlichste Bühnenkünstler der Welt Tourplakate.











